Jugendbuch, LGBTQIA+

100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren von Carrie Mac | Rezension | Booksmagick


Worum geht’s?

Maeve soll für sechs Monate bei ihrem Vater, Claire und ihren Halbbrüdern wohnen, während ihre Mutter als Katastrophenhelferin in Haiti ist. Es hilft kein Flehen und Weinen, Maeve kann nicht alleine bleiben. Nicht mit ihrer Angststörung und dem Sorgenberg, der vor ihr aufragt.


Was ich darüber denke

Ich bin mir noch nicht wirklich sicher, ob mir das Buch gefallen hat. Die Idee auf jeden Fall! Der Klappentext klang super und auch die ersten paar Seiten, in die ich in der Arbeit bereits reingeschnuppert hatte, gefielen mir sehr gut. Wie ich mit dem Buch nach Hause kam und meinte, es ginge um ein lesbisches Mädchen, das sich wegen allem Sorgen macht, witzelte meine Freundin es sei meine Autobiographie. Meine Antwort: Das dachte ich auch, als ich den Klappentext gelesen habe!!

Leute, die selbst nicht wissen, wie sich eine Angststörung verhält, sollten vielleicht keine Bücher darüber schreiben?

Zu Beginn konnte ich mich mit Maeve sehr gut identifizieren; sie wird aus ihrem gewohnten, sicheren Umfeld gerissen und zu ihrem Vater geschickt. Alles ist neu und ungewohnt. Ihr Vater ist erst mal eine Stunde zu spät dran, sie vom Bahnhof abzuholen und schreibt ihr nicht mal eine SMS, dass er zu spät kommen wird. Und Maeve hat eine ganze Stunde lang Zeit, sich Gedanken zu machen.

Autobiographische Graphic Novel ‘Pirouetten’!

Natürlich ist dann alles gut, aber Maeve kann sich selbst so viel gut zureden, wie sie will, die Ängste werden nicht einfach verschwinden, weil sie das gerade möchte. Zu Beginn des Buches wurde das auch noch sehr gut dargestellt und ich fand, dass die Autorin einen guten Job macht. Wurde dann zunehmend unrealistischer.

Bei ihrem Vater angekommen, wird Maeve von Claire herzlich aufgenommen. Ich mochte Clair von Anfang an, sie kümmert sich und versucht Maeve zu unterstützen, wo sie kann. Sie hat zwar nicht immer den richtigen Ansatz, aber sie bemüht sich und es kommt von Herzen.

Maeves Eltern haben bei mir ganz schnell Minuspunkte bekommen; sie wollen nicht, dass Maeve Medikamente gegen ihre Ängste nimmt, bevor sie erwachsen ist.

Dein Gehirn ist noch in der Entwicklung, Maeve. Vielleicht gibt es sich ganz von selbst.

S. 74

Das Mädchen heult so gut wie jeden Tag, kann keinen Schritt machen, ohne sich auszumalen, wie es wäre, wenn jetzt ein Erdbeben die ganze Stadt auslöschen würde oder wie viele Autounfälle es am Tag gibt. Geht’s noch? Gebt ihr doch was!

Wenn man sich ein Bein bricht, bekommt man einen Gips. Wenn man Krebs hat, kriegt man Chemo.

S. 75


Was war unrealistisch? Achtung, Spoiler!

  • Maeves Panikattacken

Sie zittert, heult und wünscht sich, dass die Gedanken aufhören. Dass alles aufhört. Dass es ihr besser geht. So eine Attacke verbraucht unheimlich viel Energie, aber Maeve muss sich nie hinlegen, sie fühlt sich nie müde oder schlapp nach einer Attacke.

  • Maeves Angststörung – Die Entwicklung

Am unrealistischsten fand ich wahrscheinlich die Szene, in der Maeve und Salix in der Nacht zum Badesee fahren, über das Tor klettern und den Plüschhasen von Owen aufzusammeln, den er vergessen hat. Kein ‘Was, wenn wir erwischt werden? Was, wenn es illegal ist? Was, wenn das meine erste Haftstrafe wird? Was, wenn ich mir das Bein breche? Was, wenn Salix sich das Handgelenk bricht und nie wieder Geige spielen kann?’

Die Angst hat sich irgendwie in Luft aufgelöst, was mich ja für Maeve freut, aber so funktioniert das nicht. Auch wenn man mit der Liebe seines Lebens tolle Sachen unternimmt, bleibt die Angst in gewissen Situationen. Salix kann Maeve helfen, sie unterstützen, aber nicht durch ihre bloße Anwesenheit ihre Angst verpuffen lassen. So hat es sich angefühlt und das hat mich enttäuscht.

Was hat mir gut gefallen?

Ich möchte auf eine positive Note enden, also habe ich mir die Romanze bis zum Schluss aufgehoben. Ja, die Romanze war das Beste an diesem Buch. Die zarte erste Liebe, wie Salix und Maeve sich langsam näher gekommen sind, nichts überstürzt haben und sich aufeinander eingelassen haben. Ich mochte Salix, die scheinbar furchtlose Straßengeigerin. Es war eine fluffige Liebesgeschichte, die nicht im Focus des Buches stand, aber trotzdem sehr schön zu lesen war.

Jeder in Maeves Familie und Umfeld weiß, dass sie lesbisch ist und es ist ganz normal! Es stört sich niemand daran, es wird nicht mal wirklich erörtert. Es ist so und alle akzeptieren es. Wow! Brauche mehr Bücher, wo das einfach so ist.


Fazit

Unrealistische Darstellung von Angststörung – die geht nicht einfach weg. Die Eltern haben mich auf die Palme gebracht und ich war vom Ende enttäuscht. Die zarte Liebesgeschichte hat mir gut gefallen und auch die Tatsache, dass Homosexualität im Buch ganz normal ist.


Bibliographie

  • Autorin: Carrie Mac
  • Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
  • Seiten: 345
  • Verlag: Rowohlt
  • Erscheinungsdatum: 17.11.2017
  • ISBN: 978-3-499-21771-5

Ich möchte euch 2-3 Titel empfehlen, die mir sehr gut gefallen haben und die euch vielleicht auch zusagen könnten!

Laura Kuhn hat mit ‘We could be heroes’ eine knuffige lesbische Liebesgeschichte geschrieben, die einem das Herz höher schlagen lässt.

Tillie Walden zeigt in ihrer autobiographischen Graphic Novel, wie es ist als Eiskunstläuferin aufzuwachsen, wenn man doch selbst unsicher ist, wer man ist, wer man sein möchte, welchen Platz man in der Gesellschaft einnehmen möchte und wen man lieben möchte.

John Green befasst sich in seinem neuesten Buch mit OCD, unter dem er auch selbst leidet und beschreibt eindringlich und direkt, wie viel Kraft und Gedanken eine mentale Krankheit kostet.

2 thoughts on “100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren von Carrie Mac | Rezension | Booksmagick”

  1. Ich leide selbst unter einer Angststörung, die ich zwar mittlerweile wunderbar im Begriff habe, kann aber deine Kritikpunkte gerade deshalb total nachvollziehen. Das hätte mich dann auch sehr gestört!

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  2. Whooooo!!!!! Glückwunsch!! 😊😊 Bei meiner Depression schwingt eine Angststörung mit, die manchmal hochkommt, weshalb ich mich freute, das Buch in die Hände zu bekommen! Hat mich enttäuscht, weil die Angststörung nicht realistisch dargestellt wurde. Natürlich gibt es unterschiedliche Formen und die Ausprägung variiert auch von Person zu Person. Dennoch finde ich, dass diese Entwicklung der Angst, besonders da Maeve mit Problemen konfrontiert war, die schwerer, nicht leichter wurde, nicht realistisch war.
    Ganz lieben Dank für deinen Kommentar! Und auch in Zukunft viel Erfolg, deine Angststörung weiterhin im Griff zu haben! 😘

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