LGBTQIA+, Manga/Graphic Novel/Comic

Der Mann meines Bruders Bd. 1 + 2 | Rezension | Booksmagick


Worum geht’s?

Der alleinerziehende Yaichi ist völlig überrumpelt, als Mike – der Mann seines kürzlich verstorbenen Zwillingsbruders Ryoji – auf seiner Schwelle auftaucht und den Familienalltag auf den Kopf stellt. Die kleine Kana ist völlig aus dem Häuschen und löchert ihren Onkel mit Fragen.

Was ich darüber denke

Mit Klick aufs Cover geht’s zur Verlagsseite!

Dieser Manga ist wunderbar für Leser*innen, die sich mit dem Thema Homosexualität beschäftigen möchten, aber nicht wissen, wo anfangen. Normalerweise würde ich niemals einen Manga zum Einsteigen empfehlen, aber ‘Der Mann meines Bruders’ verpackt so viele wichtige Botschaften und Infos in eine Geschichte ohne zu sexualisieren oder fetischisieren.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht Yaichis, der zunächst nur stereotypische Vorstellungen von Homosexualität hat und auch mit Kanas Fragen zu dem Thema überfordert ist. Im Laufe der ersten beiden Bände, die ich in einem Sitting verschlungen habe, lernt Yaichi Mike besser kennen und erkennt, dass er ganz falsch über das Thema gedacht hat. Er ist nie offen abweisend oder beleidigend, doch seine inneren Monologe und auch die Bedenken, die er hat, zeigen, dass er nicht weiß, wie er mit einem schwulen Mann in seinem Haus umgehen soll.

  • Darf ich in Unterwäsche durchs Haus gehen? Mike ist immerhin … na ja …
  • Oh, der Mann, der mit Kana spielt? Das war … ein Freund meines Bruders
  • Wer ist denn der Mann und wer die Frau?
  • Mike hätte ich nicht angeboten, zu übernachten, wenn Kana nicht so vorlaut gewesen wäre; wäre Mike die Frau meines Bruders, hätte ich nicht gezögert, eine Einladung auszusprechen
Jop, Yaichi schaut immer so drein 😀

Genau da setzt der Manga auch an und zeigt, dass viele Menschen noch vorsichtig bzw. abwertend und beleidigend gegenüber LGBTQIA+ sind. Eine Freundin Kanas wird der Umgang mit ihr verboten, weil Mike ein schlechter Einfluss sein könnte. Als ob Homosexualität ansteckend wäre. Kana ist das perfekte Beispiel dafür, dass Kinder das Thema ganz anders sehen als Erwachsene. Für sie ist es nur komisch, dass Männer in Kanada heiraten dürfen, aber nicht in Japan. Als Mike ihr erklärt, dass in einer solchen Beziehung beide Männer Ehemänner sind und es keine Frau gibt, versteht und akzeptiert sie das sofort.

Mike übernimmt die Rolle des Erklärers im Manga; beantwortet Fragen und zeigt wieder und wieder, dass LGBTQIA+ ganz normale Menschen sind. Besonders toll fand ich ‘Mike’s Gay Culture Kurse’, in denen er über zwei Seiten verschiedene Begriffe aus der LGBTQIA+ community erklärt. Ein informativer Manga, was ich ganz super finde!! ❤ Vor allem, da Mike nie herumdruckst, wenn er etwas erklärt, er beantwortet Kana alle ihre Fragen auf eine Art, die ihrem Alter gerecht ist.

Im Laufe des Mangas versteht Yaichi mehr und mehr zum Thema Homosexualität und erkennt, dass er sich blöd benommen hat. Ich freue mich bereits auf die nächsten beiden Bände, die im Juli und November 2019 erscheinen werden. Yaichi wird noch offener werden, bzw. Mike wird noch mehr zum Thema LGBTQIA+ erklären und die Leserschaft informieren.


Fazit

Ein Familienmanga, der Homosexualität in den Focus stellt und über LGBTQIA+ Themen informiert, ohne zu fetischisieren. Sachlich, aber toll in eine Geschichte eingebunden, thematisiert ‘Der Mann meines Bruders’ Coming-Out, Homosexualität, Stigma, Gendernorm, Familie und noch vieles mehr. Absolute Empfehlung!


Bibliographie

  • Mangaka: Gengoroh Tagame
  • Seiten: 180
  • Altersempfehlung: ab 15 Jahren, sagt der Verlag … kein Sex, kein Penis in Sicht … aber halbnackte Frauen (Fairy Girls #3) sind ab 12 ok. Wahrscheinlich, damit überbesorgte Eltern nicht sagen können, ihre Kinder werden mit schwierigen Themen wie Homosexualität viel zu früh belastet *sheds a single sarcastic tear* Ich finde, den Manga kann man gut und ohne Bedenken ab 13 lesen
  • Verlag: Carlsen
  • Erscheinungsdatum: 2019
  • ISBN: 978-3-551-76012-8

Komplette Reihe

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