LGBTQIA+

Mein Herz, dein Kopf und ein Universum dazwischen von Katharina Wolf | Rezension | Booksmagick


Worum geht’s?

Sebastian, 19 und frisch geoutet, trifft in einem Nachtclub den gutaussehenden und charmanten Hiroki. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und Sebastian könnte nicht glücklicher sein. Wäre da nicht Hiro, der nicht offen schwul leben möchte und ihre Beziehung lieber geheim halten möchte.


Was ich darüber denke

Das Buch hat mich schon seit einer Weile angelacht – ich meine, das COVER ist wunderschön! – und schließlich habe ich nachgegeben und es mir einfach gekauft. Es geht so schnell als Buchhändlerin …

Die Geschichte ist aus Sebastians etwas naiver Sicht erzählt und fängt direkt im Nachtclub an, in dem er Hiroki trifft. Zu Beginn hat mir das Buch sehr gut gefallen, wie sich langsam zwischen den beiden Protagonisten eine Beziehung entwickelt hat und wie knuffig die beiden zusammen waren. Auch die Nebenfiguren haben mir sehr gut gefallen: Sebastians Familie, die ihn immer unterstützt und beschützt und auch Sebastians Freunde. Auf Hirokis Seite kommen erst ganz zum Schluss noch einige Figuren hinzu.

Mein anfänglicher Enthusiasmus hat dann relativ schnell nachgelassen, als es darum ging, dass Hiro sich nicht öffentlich outen möchte. Sebastian akzeptiert – toleriert ist fast das bessere Wort – das eine Zeit lang, aber er wird schnell ungeduldig. Für ihn gehört Händchen halten auf offener Straße dazu; er möchte der Welt zeigen, dass er und Hiro zusammen sind.

Hiro hat sehr schlechte Erfahrungen mit Homophobie gemacht und möchte nichts riskieren, auch wenn Sebastian ihm versichert, dass es niemanden interessiert ob er schwul ist oder nicht. Outing ist ein sehr persönliches Thema und jede Person hat das Recht sich zu einem Zeitpunkt zu outen, in dem man sich sicher fühlt. Oder gar nicht zu outen. Mit der Zeit ist Sebastian so versessen darauf, dass Hiro sich outet, dass er zornig und ungeduldig wird.

Ganz schlimm fand ich die Szene, in der Jan, Sebastians Bruder, Hiro im Büro vor versammelter Mannschaft outet, um ihm zu zeigen, dass es nichts zu befürchten gibt und dass es keinen interessiert. NEIN! Niemand darf jemand anderes outen. Sebastian ist auch nur kurz geschockt, als er es erfährt. Zwar hat es im Büro wirklich niemanden interessiert (was nicht der Punkt ist!), aber Jan hat kein Recht, Hiro zu outen. Er hat keine Ahnung, warum Hiro nicht out sein möchte, hat keine Ahnung, in welche Gefahr er Hiro bringen könnte. Natürlich ist das Buch knuffig und es passiert nichts, aber diese Szene fand ich ganz, ganz schrecklich. So etwas ist definitiv der falsche Weg, jemandem zu zeigen, dass es niemanden interessiert, ob man schwul ist oder nicht und ich finde es nicht gut, dass auch im Buch selbst so gut wie gar nicht gesagt wird, dass man auch keinen Fall jemand anderen outet.

Ich mochte das Ende, nur nicht die Art und Weise, wie die Geschichte dorthin gekommen ist. Sebastian macht Schluss mit Hiro und sagt, dass er sich bei ihm melden könne, wenn er sich entschieden hätte, was er wolle. Das klingt für mich nach einem Ultimatum und dass Hiro, wenn er mit Sebastian zusammen sein möchte, offen out sein muss. Das ist keine gesunde Beziehung, sondern Egoismus auf Sebastians Seite.

Ich verstehe Sebastians Sicht auf die Dinge, aber ich möchte doch nicht meinen Partner unglücklich oder verängstigt sehen. Homophobie ist leider immer noch ein großes Thema und auch wenn sich die Gesellschaft in eine offenere Richtung bewegt, verstehe ich Hiro vollkommen. Es freut mich, dass Sebastian keinerlei Angst vor Homophobie hat, aber er sollte von Hiro nicht dasselbe erwarten, vor allem nicht nachdem Hiro ihm erzählt, was ihm zugestoßen ist. Es muss nicht jeder an vorderster Front der Pride Parade für unsere Rechte kämpfen. Manche können sich das nicht leisten. Manche können und wollen ihre eigene Sicherheit nicht aufs Spiel stellen. Und das ist in Ordnung. You do you.


Fazit

Knuffig zu Beginn und zum Ende hin. Die Geschichte dazwischen legt den Focus auf Hiros Outing, mit dem meiner Meinung nach nicht gut umgegangen wird. Die Tatsache, dass man jemand anderen nicht outet – egal, warum – wird nicht genug angesprochen. Alles in allem wäre es eine nette Liebesgeschichte gewesen, wenn Sebastian nicht so egoistisch gewesen wäre. Ungesunde Darstellung einer Beziehung.


Bibliographie

  • Autorin: Katharina Wolf
  • Seiten: 300
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • Verlag: Amrûn
  • Erscheinungsdatum:
  • ISBN: 978-3-95869-380-7

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