Jugendbuch, LGBTQIA+

An Nachteule von Sternhai – Holly Goldberg Sloan & Meg Wolitzer | Rezension | Booksmagick


Worum geht’s?

Bett und Avery können es kaum glauben: Ihre alleinerziehenden Väter haben sich verliebt, als sie zusammen auf der Baumesse in Chicago waren und wollen jetzt, dass sie alle eine Familie werden. Damit sie sich kennenlernen, sollen die Mädchen beide in ein Sommer-Wissenschaftscamp, während die Dads durch China touren. Bett warnt Avery in einer Mail vor, dass sie auf keinen Fall Freundinnen werden können, was diese bestätigt. Doch dann beginnen die Mädchen per E-Mail einander Fragen zu stellen und merken, dass sie sich doch nicht so ungern haben …

Was ich darüber denke

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Wahnsinnig lieb!! Von der ersten Seite an mochte ich die abenteuerlustige Bett und die zurückhaltende, ängstliche Avery. Das ganze Buch ist nur in Mails, Briefen und Nachrichten geschrieben, die sich vor allem Avery und Bett gegenseitig schicken. Es war eine erfrischende Abwechslung und ich finde das Format super! Vor allem mochte ich, wie sich mit der Zeit die beiden Spitznamen, Sternhai und Nachteule, herauskristallisiert haben. Ein toller Titel, der auch von großer Bedeutung in der Geschichte ist.

Bett und Avery mögen das Camp nicht: Bett hasst Indoor-Aktivitäten und die ganzen Regeln, an die sie sich halten muss, während es Avery vor Outdoor-Aktivitäten und den 100.000 Gefahren graut, die überall lauern. Auch wenn die Mädchen Stein und Bein schwören, dass sie niemals Freundinnen werden können und nun alles versuchen müssen, ihre Väter auseinanderzubringen, kommen sie sich langsam näher und schon bald entwickelt sich eine tiefe Freundschaft.

PS: Mögen wir uns niemals persönlich begegnen.

Die Geschichte ist aus der kindlichen Sicht von Bett und Avery geschrieben, was oft zu amüsanten Mailverläufen führt. Bei Avery finden wir immer interessante Fakten zu Medizin, Geschichte und Kunst, bei Bett Infos zu Tieren und Pflanzen. Die beiden beginnen, sich gegenseitig Fragen zu stellen – natürlich nur aus reiner Neugierde und nicht, weil sie etwa Freundinnen werden wollen! Auch im Camp schreiben sie sich Briefe und Mails und schließlich werden sie unzertrennlich. Blöderweise zerbröckelt die Beziehung zwischen Marlow und Sam – ihren Vätern – im Hintergrund, ohne, dass sie es mitbekommen und so ist es ein Schock für die beiden, dass sie nun doch keine Familie mehr werden.

Wo sich Bett und Avery vorher geschworen hatten, ihre Väter auseinanderzubringen, so versuchen sie nun alles, sie wieder zusammenzubringen. Das Buch hat mich an ‘Ein Zwilling kommt selten allein’ erinnert und auch an ‘Das Doppelte Lottchen’. Die Geschichte ist warmherzig und toll erzählt, die Figuren sind gut ausgearbeitet und realistisch. Vor allem die Kinder bringen ordentlich Chaos und Schwung in ihre beiden Familien. 😀

Total super Format!!

Besonders gut gefallen hat mir, dass das Buch zwar LGBTQIA+ ist, aber vor allem Familie und Freundschaft im Mittelpunkt stehen. Bett und Avery sind nicht aus dem Häuschen, weil ihre Väter sich verliebt haben, sondern, dass sie einfach bestimmen, eine Familie sein zu wollen, ohne sie vorher zu fragen. Genau das liebe ich in Büchern! Wenn Charaktere divers sind, aber daran nicht die ganze Geschichte aufgehängt wird. Sam und Marlow sind schwul und alleinerziehende Väter. Auch hatte ich in bei einem Kinderbuch ab 10 noch nie eine schwarze Protagonistin (und es nicht ums Schwarz-Sein geht)! Ich finde toll, wie die Autorinnen das Buch angegangen sind.

Familie ist nicht immer Vater, Mutter, Kind. Familie kann dein schwuler Vater, deine biologische Mutter, deine beste Freundin, deren schwuler Vater, dessen neuer Freund und ihre theaterliebende Oma sein. In einer Familie hat man sich gern und verbringt Zeit miteinander und genau dorthin wollen Bett und Avery. Der Schluss des Buches hält allerdings eine große Überraschung bereit, die mir sehr gut gefallen hat!


Fazit

Ein warmherziges Buch über Freundschaft, Familie, wie man seine Ängste überwindet und noch so vieles mehr. Liebenswerte Figuren, ganz viel Chaos und eine tolle Sprache. Mit An Nachteule von Sternhai ist den beiden Autorinnen ein ganz wunderbares Kinderbuch gelungen, das ich jedem – Groß und Klein – ans Herz legen möchte. Ein wirkliches Wohlfühlbuch!


Bibliographie

  • Autorinnen: Holly Goldberg Sloan & Meg Wolitzer
  • Seiten: 288
  • Altersempfehlung: ab 10
  • Verlag: HAnser
  • Erscheinungsdatum: 22.07.2019
  • ISBN: 978-3-446-26432-8

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