Fantasy, Jugendbuch

Silberdrache von Angie Sage | Rezension | Booksmagick


Worum geht‘s?

Seit sie ihre Eltern bei einem Drachenangriff verloren haben, schuften Joss und Allie in Vertragsknechtschaft beim Ehepaar Zoll. Es gibt kaum noch Menschen, da Raptoren – böswillige Drachen – sie jagen. Eines Tages findet Joss ein silbernes Drachenei und macht sich damit zur Zielscheibe der Familie Lennix, die das größte Raptorengeschwader überhaupt kommandieren. Die Situation verbessert sich nicht, als Lysander schlüpft – der erste silberne Drache in Jahrhunderten.


Was ich darüber denke

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Das Cover hat mich sofort angesprochen, ich liebe ja so schimmernde Details auf Büchern ❤ Als Kind habe ich die Septimus Heap Reihe von Angie Sage verschlungen und Silberdrache erinnerte mich ein bisschen an Cornelia Funkes Drachenreiter. Also war ich sofort dabei. Ich würde gerne sagen, dass sich meine Begeisterung dann bis zum Schluss durchgezogen hat, aber leider fand ich doch Einiges an der Geschichte, den Charakteren und dem Schreibstil bzw. der Übersetzung zu bemängeln. Die Idee fand ich gut, aber ich hätte mir in der Umsetzung mehr erwartet oder gewünscht. So wurde ich mit Joss, einem der drei Protagonisten nicht warm; er hat allem und jedem ohne mit der Wimper zu zucken vertraut. Bei einem Kind, das seine Eltern, sein Zuhause und seine Freunde durch einen grausamen Raptorenangriff verloren hat und jetzt bei der boshaften Familie Zoll mehr oder weniger als Sklave schuftet, hätte ich mir doch ein bisschen mehr Misstrauen erwartet. Seine Schwester Allie hat da schon mehr Instinkt, aber schafft es nicht immer, ihren Bruder vor Gefahr zu bewahren, in die ihn seine sonnige und vor allem naive Art bringt.

Viele Drachen waren in der Festung aufgewachsen und aus Eiern geschlüpft, die in ihren einst friedlichen Heimatorten geraubt worden waren. Ihre friedfertige Drachennatur war durch ihre Erziehung zu Raptoren verdorben worden.

Am liebsten mochte ich Sirin, die in unserer Welt aufwächst und nur noch Legenden und Geschichten von Drachen kennt. Als ihre schwerkranke Mutter ins Krankenhaus kommt, klammert sie sich verzweifelt an die Geschichten, die ihr ihre Mutter immer erzählt hat. Die Handlung springt zwischen den zwei Welten hin und her und ich freute mich immer, wenn ich wieder Zeit mit Sirin verbringen durfte. Ihr Charakter, obwohl sie am wenigsten Screen-Time hatte, kam mir am realistischsten bzw. am ausgearbeitetesten vor. Zunächst war ich verwirrt, warum Sirin in unserer Welt lebt, doch schnell wird klar, dass Lysander die Fähigkeit besitzt, Portale zwischen Welten zu kreieren – der Grund, warum die Lennix‘ hinter ihm her sind.

In der englischen Ausgabe gibt es neun collectible Karten! ❤

Die Geschichte wird schnell – fast zu schnell – vorangetrieben und es folgt eine gefährliche Situation auf die nächste. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Information zur Welt, zu den Charakteren, deren Hintergrundgeschichte und auch zu den Drachen gewünscht. Es hätte einerseits die Geschichte verlangsamt und andererseits die Persönlichkeiten der Charaktere besser zur Geltung gebracht. So war das Buch ziemlich schnell, blieb aber oberflächlich.

Die Sprache

Wenn Drachen und Menschen einen Bund eingehen – so wie die Na‘vi und ihre Ikrane ❤ oder Eragon und Saphira – dann ist dieser Bund für die Ewigkeit. Das ist kein neues Konzept, aber ich freue mich immer wieder darüber, wenn Menschen und Tiere solche Verbindungen eingehen. Allerdings störte mich ungemein, dass die Bezeichnung dieser Partner ‚Bundesgenosse‘ war. Auf englisch ist wird der Begriff ‚Lock‘ verwendet, was mehr Sinn macht. Bei Genosse muss ich immer an Kommunismus denken …

Die Sprache selbst war schnell und recht flach. Eher hektisch, genau wie die Geschichte selbst. Ich wollte wissen, ob es an der Übersetzung liegt, aber die englische Leseprobe war genauso geschrieben. Manchmal kam es mir vor, als sprünge die Story zeitlich, ohne dem Leser Bescheid zu geben. Zeitliche Verwirrung (alles schien so schnell zu passieren) war mein ständiger Begleiter.

Die Familie Lennix, die die Bösewichte verkörpern, war, hm … zu aufgesetzt: grausame Zwillingsschwestern, ein verratener Sohn und der Älteste, der langsam zu begreifen beginnt, dass seine Familie böse ist. Es wird nur gekeift, gestritten und gebrüllt, was mit der Zeit mühsam wurde. Das Einzige, das mir wirklich gut gefallen hat war, dass egal wie böse sie sind, ihre Drachen lieben sie über alles (außer der kleine verzogene Fratz). Alle, die einen Bund mit einem Drachen eingehen, lieben ihre Drachen und die Beziehung zwischen Locks (ich weigere mich, das Wort ‘Bundesgenosse’ zu verwenden) war so einfühlsam und schön beschrieben!

Das Buch kam mir an mehreren Stellen recht brutal vor für das angegebene Alter. Zum Beispiel lief Joss zu Beginn seine Schafherde davon und stürzte über eine Klippe im Steinbruch und er musste die Tiere, die nicht sofort gestorben waren, töten … O.O Der Junge ist 12?! Auch die Familie Lennix hat einen hohen Gefangenenverschleiß, der daher kommt, dass die Bediensteten sich um die grausamen Drachen kümmern müssen und oft Gliedmaßen oder das Leben verlieren.


Fazit

Es war eine nette Geschichte zum Lesen, ich hätte mir nur mehr Charakter-Entwicklung erwartet, mehr Story und eine ruhigere Sprache erwartet. Die Geschichte kam mir hektisch und gehetzt vor, ganz anders als die Magyk-Reihe, die langsamer beginnt und ein gutes Fundament bekommt, bevor das Abenteuer losgeht. Band 2 werde ich wahrscheinlich nicht mehr lesen, obwohl ich Sirin echt gern habe. 🙂


Bibliographie

  • Autorin: Angie Sage
  • Übersetzung: Bernd Stratthaus
  • Seiten: 320
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Verlag: ars Edition
  • Erscheinungsdatum: 23.08.2019
  • ISBN: 978-3-8458-3397-2

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